Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist das häufigste Karzinom des Mannes, wobei die Häufigkeit stark altersabhängig ist. Prostatakarzinome sind sehr unterschiedlich in Bezug auf ihre Aggressivität und somit ist, auch in Anbetracht des Patientenalters, nicht jedes Prostatakarzinom (unmittelbar) behandlungsbedürftig. Die Diagnose basiert auf dem rektalen Abtasten der Prostata sowie der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA). Die Bestimmung des PSA im Blut wird kontrovers diskutiert. Das PSA wird nur durch Prostatazellen produziert. Erhöhte Werte finden sich beim Prostatakarzinom aber auch bei benigner Prostatahyperplasie und Prostatitis. Das Antigen ist somit nicht karzinomspezifisch und hat nur eine limitierte Aussagekraft. Trotzdem empfehlen die Urologischen Fachgesellschaften eine PSA Bestimmung beim gut informierten Mann bei entsprechender therapeutischer Konsequenz. Zeigen sich beim PSA oder beim digitalen Abtasten der Prostata auffällige Befunde folgen ein spezifisches MRI der Prostata gefolgt von einer Prostatabiopsie, welche unter Zuhilfenahme der MRI Bilder durchgeführt wird (siehe Beitrag Stereotaktische Prostatastanzbiopsie). 
Ist die Biopsie negativ (kein Karzinomnachweis) folgen die regulären Vorsorgeuntersuchungen mit weiteren rektalen Untersuchungen und PSA Kontrollen. Bei positiver Biopsie (mit Karzinomnachweis) wird je nach Biopsieresultat mittels Computertomographie und Skelettszintigraphie abgeklärt ob bereits Metastasen vorliegen oder nicht. Anhand der dann vorliegenden Untersuchungsresultate wird die Notwendigkeit einer aktiven Therapie beurteilt und mit dem Patienten diskutiert. Sollte keine unmittelbare aktive Therapie notwendig sein wir das Prostatakarzinom im Rahmen eines «active surveillance» kontrolliert und beobachtet. Durch die engmaschigen Kontrolluntersuchungen soll sichergestellt werden, dass ein Fortschreiten des Tumors frühzeitig festgestellt wird und zur Einleitung einer entsprechenden Behandlung führt.
Sollte eine aktive Therapie notwendig sein gibt es neben der möglichen Bestrahlung folgende Möglichkeiten:
Radikale Prostatektomie: Die Entfernung der Prostata, Samenblasen und regionären Lymphknoten ist die anerkannte chirurgische Behandlungsform beim lokalisierten Prostatakarzinom. Grundsätzlich gibt es zwei technische Möglichkeiten der Operation: die konventionelle offene Operation und die minimalinvasive (DaVinci roboterassistierte oder laparaskopische) Operation. Die Ergebnisse der beiden Techniken sind vergleichbar mit einer etwas schnelleren Rekonvaleszenz und einem geringeren Blutverlust bei der roboterassistierten Operation. Die funktionellen Ergebnisse sind in Bezug auf die Inkontinenz gut, eine schwere postoperative Inkontinenz ist unabhängig der Operationsmethode selten. Die postoperative erektile Dysfunktion ist jedoch weitaus häufiger, kann jedoch mit entsprechender medikamentöser Therapie angegangen werden.
Fokale Therapie: In ganz ausgewählten Fällen können Prostatakarzinome mit niedrigem Risikoprofil fokal therapiert werden. Das heisst nur die Region der Prostata, welche in der Biopsie Karzinom gezeigt hat wird therapiert, der Rest der Prostata wird ohne Therapie belassen. Eine der Möglichkeiten hier ist die HIFU (Hoch Intensiv Fokussierte Ultraschall), hier wird das Gewebe durch Ultraschall fokal «verkocht».
Medikamentöse Therapie: Bei Patienten mit einem metastasierenden oder lokal sehr fortgeschrittenen symptomatischen Karzinom ist die Indikation zur Therapie gegeben, eine radikale Prostatektomie jedoch in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Die Basis der Therapie hier beinhaltet die Supprimierung des Testosterons, welches eine entscheidende Treibkraft des Wachstums des Prostatakarzinoms darstellt. Dies kann entweder chirurgisch erfolgen, indem man eine Entfernung des Hodengewebes durchführt oder medikamentös mit verschiedenen Präparaten, welche dazu führen, dass der Körper in der Testosteronproduktion gehemmt wird. Auch Patienten, welche nach einer Operation ein Rezidiv erleiden können im weiteren Verlauf einer Hormontherapie zugeführt werden. Hinzu kommen weitere medikamentöse Therapiemöglichkeiten wie Zweitlinien Hormontherapie oder Chemotherapie.