Zystitis (Blasenentzündung)

Die unkomplizierte akute Zystitis (Blasenentzündung) ist eine Erkrankung des Kindes und der Frau mit einem Häufigkeitsgipfel in der 2. und 3. Dekade und nach der Menopause. Männer sind meist nur im Zusammenhang mit Erkrankungen von Blase (Tumor, Stein) oder Prostata (Obstruktion) betroffen. Die typische akute Zystitis der Frau entsteht auf aufsteigendem Wege z.B. nach Geschlechtsverkehr (sogenannte Honey-Moon-Cystitis). Als begünstigende Faktoren gelten verminderte Infektabwehr der Harnröhrenschleimhaut (hormonelle Einflüsse; chronische Entzündungen; Bestrahlung, Immunschwäche), Restharn, Fremdkörper oder Steine.

Symptome der akuten Zystitis sind häufiger Harndrang mit kleiner Urinmenge, Schmerzen und/oder Brennen beim Wasserlösen. Sichtbares Blut (Makrohämaturie) kann zusammen mit den vorgenannten Symptomen vorkommen. Die akute Zystitis ist eine bakterielle Erkrankung. Häufigster Keim ist Escherichia coli (E.coli) der zur normalen Darmflora gehört.

Bei der akuten Zystitis der Frau ohne komplizierende Faktoren ist eine dreitägige antibiotische Therapie in der Regel ausreichend. Eine siebentägige Therapie sollte beim Vorhandensein von Symptomen seit über einer Woche, bei erst kürzlich durchgemachter Harnwegsinfektion, bei Diabetes mellitus und in der Schwangerschaft erfolgen. Eine Einzeldosistherapie ist zwar einfach und kostengünstig, Versagerquoten und Rezidive sind aber häufiger, als mit längerdauernden Therapien. Junge, gesunde Männer ohne komplizierende Faktoren können mit einer siebentägigen Therapie behandelt werden. Bei älteren Männern und Patienten mit strukturellen oder funktionellen Anomalien sollte die Dauer 10-28 Tage betragen, denn häufig liegt eine Entzündung der Prostata vor. Nach Abklingen der akuten Entzündung sollten vor allem beim Mann urologische Abklärungen durchgeführt werden.

Die interstitielle Zystitis betrifft Frauen in der 4. und 5. Lebensdekade und führt mit der Zeit aufgrund struktureller Blasenwandveränderungen zur Verminderung der Blasenkapazität. Die Aetiologie ist unbekannt. Neben Autoimmunprozessen und neurogenen Faktoren werden infektiöse Erreger wie Chlamydien, Urea-/Mykoplasmen, Gardnerellen oder Viren diskutiert. Da diese Keime beim Urethralsyndrom vorkommen, sollte dieses primär ausgeschlossen bzw. behandelt werden. In seltenen Fällen sind bei der interstitiellen Zystitis symptomatische Therapien wie Dehnung der Blase, sowie eine medikamentöse Therapie angezeigt. Bei massiver Verringerung der Blasenkapazität können eine chirurgische Blasenvergrösserung oder ein Blasenersatz notwendig werden.

Urethralsyndrom der Frau

Dieses Syndrom ist eine der häufigsten nicht diagnostizierten urologischen Erkrankungen. Charakteristisch sind die subjektiven Beschwerden einer akuten Zystitis, bei fehlenden Infektzeichen im Urin. Die Symptomatologie umfaßt häufiges Wasserlassen, Schmerzen beim Wasserlassen, imperativen Harndrang, dumpfe Unterbauchschmerzen, Brennen in der Harnröhre sowie Schmerzen assoziiert mit Geschlechtsverkehr.

Eine Untersuchung mit Blasenspiegelung (Zystoskopie) in Kombination mit der Untersuchung der Blasenspülflüssigkeit und eventuell einem Vaginalabstrich auf Bakterien und andere Keime kann diagnostisch weiterhelfen.

Da der Nachweis der vermuteten Keime schwierig und deshalb häufig falsch negativ sein kann, ist in der Regel im klinischen Alltag ein empirischer, antibiotischer Therapieversuch (Doxycyclin) der erste Schritt. Der Partner wird meistens mitbehandelt und während der Therapie sollte nur kondomgeschützter Geschlechtsverkehr erfolgen, um einen sogenannten "Ping Pong-Effekt" zu vermeiden. Im Fall eines erfolglosen ersten Therapieversuches können weitere medikamentöse Ansätze folgen.

Eine psychosomatische Komponente wird diskutiert. Entsprechend kann in Einzelfällen eine psychsomatische Therapie hilfreich sein.