Infertilität (Unfruchtbarkeit)

Das männliche Ejakulat enthält einerseits Spermien, andererseits Flüssigkeit, welche von den ableitenden Samenwegen, Samenblasen, Prostata und Cowper'schen Drüsen hergestellt wird. Der grösste Anteil stammt von den Samenblasen. Der männliche Hoden stellt zwei Funktionen sicher: Einerseits die Spermienproduktion, andererseits die Produktion der männlichen Hormone, insbesondere des Testosterons. Die hormonelle Regulation der Spermienentwicklung läuft über die Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden-Achse.

Ein Paar wird definitionsgemäss dann als infertil angesehen, wenn während eines Jahres bei regelmässigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft zustande kommt. 10 bis 15% aller Beziehungen sind ungewollt kinderlos. Der weibliche Infertilitätsfaktor beträgt hierbei ca. 40%, der männliche 30% und die verbleibenden 30% sind gemischter Ursache. Die Abklärung beider Partner erfolgt üblicherweise in enger Zusammenarbeit von Gynäkologen (für die Frau) und Urologen (für den Mann).

Die Untersuchung des Mannes (andrologische Untersuchung) beginnt mit einer ausführlichen Erhebung der Patientengeschichte (Krankheite, sexuelle Entwicklung, Infektionen, Schadstoffe, Medikamente). Es folgt neben der allgemeinen Untersuchung eine urologische Untersuchung der äusseren und inneren Geschlechtsteile. Laboruntersuchungen umfassen immer ein Spermiogramm (Ejakulatanalyse) und die Untersuchung des Urins, allenfalls des Hormonspiegels im Blut. Je nach Befund kann eine Urinkultur oder eine Postejakulat-Urinuntersuchung notwendig sein.

Weitere mögliche Untersuchungen umfassen Ultraschall-Untersuchungen der Prostata/Samenblasen oder der Hoden oder eine Hodenbiopsie.

Ursachen für eine männliche Infertilität umfassen unter anderem

  1. Hormonelle Störungen (angeborener Hormonmangel, Tumor etc.)
  2. Spermienbildungsstörungen (Chromosomenanomalien, angeborene Erkrankungen, Hodenschäden jeder Art (Verletzungen, Schadstoffe, Umgebungsschäden), Entzündungen im Hoden-/Nebenhodenbereich, schwere Erkrankungen, Hormonbildungs- und Stoffwechselstörungen, Varikozele, nicht deszendierter Hoden etc.)
  3. Spermientransportstörungen (angeboren, nach Verletzungen, nach Entzündungen im Hoden-/Nebenhodenbereich, nach Vasektomie (Sterilisation), nach Blasenhalsfunktionsstörung, immunologische Störungen etc.)

Je nach Ursache wird die Infertilität mit Verhaltenstherapien, Medikamenten, chirurgischem Vorgehen oder assistierter Reproduktion (Reproduktionsmedizin) behandelt.