Die Seeländer zu nehmen wissen

Freitag, 14. Dezember 2018, 12:00 Uhr

Seit April 2017 wird amSpital Aarberg regelmässig die Urologische Sprechstunde der Universitätsklinik für Urologie des Inselspitals angeboten. Was als Urologische Versorgung begann, hat sich als verlässliche Zusammenarbeit etabliert. Nicht zuletzt wegen der Kompetenz des Leitenden Arztes Beat Roth.

PD Dr. med. Beat Roth (43) wirkt ein bisschen wie ein Seemann: kompakt, sportlich und gelassen trotz Gegenwind. Der ehemalige Fussballspieler des FC Aarau – «Erzählen Sie das aber niemandem, die sind abgestiegen!» 
– wurde in Aarau und in Olten als Chirurg ausgebildet und ist nach Zwischenstationen in der Intensivmedizin und nach einem Forschungsaufenthalt
in Houston, Texas, seit 2005 am Universitätsspital für Urologie.
In Aarberg hat er sich bei Patienten, Hausärzten und Urologen einen guten Ruf aufgebaut. Sehr zur Freude des Spitaldirektors Thomas Mössinger, die Rechnung mit mehr zugewiesenen Patienten ist aufgegangen: «Wir sind sehr zufrieden!» Längerfristig soll die Sprechstunde wöchentlich getaktet werden.
Beat Roth macht in seiner Sprechstunde nur das, was ein Urologe in einer Praxis auch macht: Harnsteinleiden, Inkontinenz, allgemeine Blasenbeschwerden abklären. Oder Prostatakrebs: Der zeige sich am PSA-Wert, einem spezifischen Prostata-Marker im Blut. Er ist ein «alter Hase», wenn es um das Erkennen
dringender Fälle geht. Ein Patient mit Blut im Urin, ohne Schmerzen: «Der kommt grad’ dran!» Das könne ein aggressives Blasenkarzinom sein. Komplizierte Eingriffe könne man aber nur in der Insel anbieten.Seine Patienten sind zu 70 Prozent Männer, zu 30 Prozent Frauen. Urologie ist die Lehre von den ableitenden Harnwegen und den männlichen Geschlechtsorganen. Blasenkrebs betreffe
z. B. im Verhältnis 3 zu 1 Männer – weil Männer früher häufig mehr geraucht hätten
als Frauen. Aber die Frauen würden jetzt aufholen – «Die Kehrseite der Emanzipation!», so der Vater von drei Kindern zwischen zwei und sieben Jahren.
Ist die Mentalität der Patienten im Seeland anders? Er schmunzelt: «Wenn der Seeländer zum Arzt geht, dann het’ er wirklich ‘es Problem! » Vorher passiere nichts. Und weit zum Arzt dürfe es auch nicht sein. Wenn er die Patienten
nach Bern bestelle, käme immer: «Oh nein!» Dann sage er, sie müssten nur ins Nebenhaus Anna Seiler kommen  «Dann geht’s knapp!»  Er weiss seine Patienten zu nehmen.
(bilu)